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Weltreise

Plan B: Der Ausbau unseres Campers für die Weltreise

Ursprünglich sah unser Plan für die Weltreise gar nicht vor, mit dem eigenen Auto loszufahren. Wir wollten mit einem Flug nach Georgien starten, und von dort zu Fuß und per Zug/Bus/Flugzeug weiterreisen. Doch die Covid-19-Pandemie warf unsere Pläne leider über Bord, so dass wir umdenken mussten. Wir sind in Slowenien gestartet und möchten die Balkanländer bereisen. Da auch die Zug- und Busverbindungen aktuell noch nicht vollständig wieder gegeben sind, und man sich in diesen Ländern gut mit dem Auto fortbewegen kann, haben wir uns für das Reisen mit einem Camper entschieden. Leider hatten wir keinen Camper und auch keine große Ahnung davon. 🙂 Das Budget war natürlich auch begrenzt. Nach intensiver Suche haben wir uns deshalb für einen VW Caddy Maxi entschieden, den wir selbst zum Camper ausgebaut haben. Auf diese spannende Reise nehme ich euch in diesem Beitrag mit. Außerdem findet ihr am Ende des Beitrags noch unsere wichtigsten Lessons Learned.

Der VW Caddy Maxi

Für uns war der VW Caddy Maxi eine super Wahl. Er bietet durch seine Extralänge genug Platz zum Schlafen, und ist dennoch nicht zu groß, so dass man auch im Stadtverkehr gut klarkommt. Auch preislich sind die gebrauchten Modelle deutlich besser als die altbekannten Kleinbusse. Wir haben uns einen Caddy Kastenwagen gekauft, so dass wir direkt auf der freien Ladefläche (ca. 2,08 m x 1,40 m) loslegen können. Mit 6 Jahren und 45.000 km steht er außerdem gut da.

Camper-Ausbau

Tim war sofort Feuer und Flamme für den Ausbau und hat sich umfangreich informiert, wofür ich echt dankbar bin. Letztendlich fiel die Entscheidung auf ein Boxensystem in U-Form. Das ermöglicht viel Stauraum, aber auch die Möglichkeit, im Caddy an einem kleinen Tisch zu sitzen, falls es mal regnet. Die Boxen können sowohl nach oben geöffnet werden, als auch über eine ausziehbare Schublade. Zwei faltbare Matratzen auf den Boxen dienen dann als unser Bett. Da unsere beiden Papas mit ausreichend Platz und Werkstätten ausgerüstet sind, hatten wir hierfür die perfekte Grundlage. Zudem sind mein Papa und mein Bruder Elektroniker, was uns natürlich auch sehr weitergeholfen hat.

Die Isolierung

Um auch bei sehr heißen oder sehr kalten Temperaturen ein angenehmes Klima im Caddy zu haben, haben wir uns entschlossen, diesen zunächst zu isolieren. Dies haben wir mit Armaflex, Steinwolle und PU-Schaum gemacht. Dafür haben wir die Verkleidung im Innenraum abgenommen, und die Hohlräume dahinter gut abgedichtet. Anschließend haben wir die Verkleidung mit einer schönen Folie beklebt und wieder angebracht.

Der Bau des Boxensystems

Die Grundlage unseres Campers stellt natürlich das Boxensystem dar, was gleichzeitig als Bett dient. Dieses besteht aus einer großen Box und zwei länglichen Boxen. Die große und eine der länglichen Boxen sind klappbar, die andere ist eine Schublade. Zudem haben wir noch eine Tischplatte in der Mitte, die bei Bedarf zu einem Tisch aufgebaut werden kann. Das Boxensystem hat Tim mit einer CAD-Software geplant, um die richtigen Maße für die einzelnen Bretter passgenau zu erhalten. Diese haben wir dann aus 12 mm Multiplex Birke Holzplatten zuschneiden lassen.

Anschließend haben wir daraus die geplanten Boxen zusammengeschraubt, mit Klappdeckeln versehen und die ausziehbare Schublade mit einer Lastenschiene gebaut. Dann kamen noch ein paar Lüftungslöcher oben und an den Seiten in die Boxen, um zum einen die Matratze als auch den Kühlschrank zu lüften. Wir haben die Boxen noch mit einem Holzöl vom Schreiner geölt, damit sie schöner aussehen und unempfindlicher sind. Die große Box haben wir dann mit Schrauben im Boden des Caddys befestigt und die beiden länglichen Boxen dann an der großen Box fixiert, damit während der Fahrt alles an seinem Platz bleibt.

Das Bett

Mit der Fertigstellung des Boxensystems war auch direkt die Grundlage für das Bett gegeben. Uns war es wichtig, die volle Breite von 1,40 m zum Schlafen zu nutzen. Hierfür musste dann lediglich eine passende Matratze besorgt werden. Zuerst hatten wir eine 1,40 x 1,90 m Faltmatratze, mit dieser war es jedoch etwas umständlich, an die Boxen zu kommen. Deshalb haben wir nochmal umgeplant und zwei 70 x 1,90 m Faltmatratzen geholt. Damit sind wir nun auch super zufrieden, und kommen gut an unseren Stauraum ran.

Die Stromversorgung

Dank der tollen Unterstützung meines Bruders und Papas sind wir bezüglich der Stromversorgung bestens ausgestattet. Wir haben eine Zweitbatterie mit 140 Ah unter dem Fahrersitz verbaut, welche über die Lichtmaschine, ein Solarpanel oder über 230 V vom Campingplatz geladen werden kann.

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Zusätzlich ist ein Laderegler verbaut, der für eine überwachungsfreie und optimale Ladung unserer Batterie aus der Lichtmaschine während der Fahrt sorgt. Um unsere Versorgungsgeräte, wie Handys, Laptop, etc. zu laden und den Kühlschrank und Licht mit Strom zu versorgen, haben wir hinten in der großen Box vier USB- und zwei 12V-Steckdosen verbaut. Diese sind natürlich über einen Sicherungskasten abgesichert, wie auch unsere Batterie und der Laderegler.

Die Camping-Küche

Da in einem Caddy Maxi nicht wirklich Platz für eine eingebaute Küchenzeile ist, wenn man ein 1,40 m breites Bett haben möchte, haben wir unsere Küche ganz einfach gehalten. Ein 2-flammiger Spirituskocher stellt die Basis unserer Küche dar. Dieser steht in der Schublade auf einer feuerfesten Unterlage. Auch Campinggeschirr wie ein Topf, eine Pfanne und weiteres Zubehör ist in der Schublade verstaut. Um ausreichend Arbeitsfläche zu haben, können wir die Tischplatte auf die ausgefahrene Schublade legen. Der Kompressionskühlschrank mit 15l Platz ist in der anderen Klappbox untergebracht. Zusätzlich haben wir noch einen 20l-Wassertank untergebracht, falls wir mal länger “frei” stehen. Bei schlechtem Wetter können wir im Caddy an unserem kleinen Tisch essen, zudem haben wir natürlich noch einen klappbaren Campingtisch und zwei klappbare Stühle, um draußen sitzen zu können.

Lessons Learned

Wir möchten euch natürlich unsere Lessons Learned nicht vorenthalten, also Dinge, die wir beim nächsten Mal anders oder besser machen würden. Beim ersten Camperausbau denkt man vielleicht nicht an alles, deshalb hoffen wir, ihr könnt aus unseren Fehlern lernen!

  1. Teste immer erst alles, bevor du losfährst
    Und mit alles meinen wir wirklich ALLES. Wir haben das aus Zeitgründen leider nicht gemacht und haben dadurch im Endeffekt noch länger gebraucht. Wir haben zum Beispiel unsere Faltmatratze erst am Abend bevor wir losfahren wollten ins Auto gepackt und dann gemerkt, dass diese viel zu unhandlich ist für unsere Zwecke. So mussten wir am nächsten Morgen nochmal losziehen, um die passende Matratze zu finden. Auch unser Solarpanel haben wir nicht mehr getestet, als wir es dann in Slowenien angeschlossen haben, hat der Regler des Solarpanels zu qualmen angefangen und das Panel war direkt kaputt. Es lohnt sich also wirklich, alles vorher mal auszuprobieren.
  2. Beachte Lieferzeiten beim Holzzuschnitt
    Wir haben uns gedacht, wir gehen zu einem der großen bekannten Bauhäuser und nehmen unser zugeschnittenes Holz direkt mit. Das funktioniert in der Theorie zwar auch so, jedoch nicht wenn man größere Mengen eines bestimmten Holzes benötigt. Bei uns waren es insgesamt ca. 11m² Zuschnitt, die wir benötigten. So viel hatte niemand auf Lager und die Lieferzeiten betrugen 1-2 Wochen. Falls ihr einen getakteten Zeitplan habt, so wie wir, solltet ihr das unbedingt beachten und das Holz frühzeitig bestellen.
  3. Oberflächen erst ölen, wenn alles fertig ist
    Unsere Holzboxen haben wir mit einem Holzöl geölt, dies jedoch direkt nach dem Zusammenschrauben der Boxen getan. Das war etwas zu früh, da wir noch Lüftungslöcher in die Boxen gebohrt haben, Teile abschleifen mussten, die nicht ganz gepasst haben, usw. Dadurch wurde das bereits aufgetragene Öl natürlich wieder etwas beschädigt, was man nun sieht. Das ist nicht besonders schlimm, kann jedoch vermieden werden.
  4. Beachtet bei der Konstruktion die Seitenwände eures Autos
    Beim Caddy werden die Seitenwände nach oben hin schmaler und hinten ist die Ladefläche durch die Radkästen generell auch etwas schmaler. Dadurch war es etwas schwierig, unsere passgenaue große Box ins Auto zu bekommen, und wir waren kurz davor, diese nochmal auseinanderzuschrauben. Beachtet also beim Konstruieren, dass ihr die fertigen Boxen dann auch noch ins Auto reinbekommen müsst.
  5. Doppelcheck bei Kabelschuhen -/hülsen
    Wenn ihr euren Camper mit Elektrik ausstattet, werdet ihr so wie wir einige Kabelschuhe bzw. -hülsen einbauen. Diese sollten immer korrekt angebracht sein und fest sitzen. Wir haben das zwar eigentlich immer überprüft, mussten am Ende jedoch nochmal zwei Kabelschuhe austauschen, die nicht richtig fest saßen. Es lohnt sich hier also, besonders gründlich zu prüfen, ob alles perfekt sitzt.

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2 Kommentare

  1. Ludwig Widmann says:

    Hallo zusammen, erst mal Danke, dass ich eure Seite entdeckt habe, es ist mir auch eingefallen meinen Caddy Maxy Kasten auszubauen, damit loszuziehen und die Länder zu bereisen. Euer Ausbau bestätigt die Meiningen Pläne und motivieren mich erneut, diese Alternative zum grossen Camper zu realisieren, da mein Caddy genug Komfort für die Reise hergibt. Euch noch gesunde Jahre im Reisemobil und viele, schöne Reiseerleben… Luis

    1. Nicole says:

      Hallo Luis,

      vielen Dank! Freut uns, dass wir dich ermutigen konnten. Wir finden es einfach toll, im Caddy zu reisen 🙂

      LG

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