Guatemala Acatenango 13 1000x600
Guatemala

Alles was du über die Wanderung auf den Vulkan Acatenango in Guatemala wissen musst

Das Highlight unserer Guatemala-Reise war definitiv die 2-tägige Wanderung auf den Vulkan Acatenango. Von dort oben kann man den aktiven Nachbarvulkan Fuego beim Lava spucken aus der Nähe beobachten. Wir haben uns entschieden, Silvester 2020 auf dem Vulkan zu verbringen und es war wirklich einmalig. Alle Infos zur Wanderung, der Vorbereitung und dem Ablauf findet ihr in diesem Beitrag.

Die Vulkane Acatenango und Fugeo

Die Schichtvulkan Acatenango befindet sich in der Nähe von Antigua und ist 3.976 Meter hoch, somit ist er der höchste Schichtvulkan in Mittelamerika. Mit seinem Zwilling, dem Vulkan Fuego, der 3.763 Meter hoch ist, bildet er den Vulkankomplex La Horqueta. Der Fuego ist einer der aktivsten Vulkane Guatemalas, und alle 10-15 Minuten sieht man Rauchwolken über dem Krater aufsteigen. Große Ausbrüche sind zwar eher selten, dennoch liegt der schwerste Ausbruch des Fuegos der letzten 40 Jahre nicht lange zurück. Im Jahr 2018 starben durch pyroklastische Ströme über 100 Menschen und ungefähr 300 wurden verletzt.

Vorbereitung auf die Wanderung

Um den Acatenango zu erklimmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die beliebteste und aus unserer Sicht aus sinnvollste ist eine 2-tägige Wanderung mit Übernachtung auf dem Vulkan. Für die Eiligen gibt es jedoch auch die Möglichkeit, die Wanderung an nur einem Tag zu machen oder aber auch mehr als eine Nacht oben zu bleiben. Für uns war die 2-tägige Wanderung perfekt. Tipps zur Wahl des richtigen Touranbieters findet ihr im nächsten Abschnitt.

Touranbieter

Es gibt unzählige Anbieter für die Tour, hier schadet es nicht, vorab ein wenig zu recherchieren. Die Hauptunterschiede liegen, wie wir herausgefunden haben, in der Qualität der Ausrüstung, z.B. Schlafsäcke, der Guides und der Verpflegung. Das spiegelt sich auch im Preis wider. Wir haben für unsere Tour mit Tropicana Hostel ca. 55€ pro Person (12/2020) bezahlt, was ein gutes Mittelmaß ist. Wir waren zu 100% zufrieden, das Basecamp ist super gelegen mit perfekter Sicht auf den Fuego, die Schlafsäcke waren schön warm und die Guides sehr hilfsbereit und erfahren. Und was wir sehr wichtig finden: wir mussten die Camping-Ausrüstung nicht selbst hochtragen, was bei anderen Anbietern der Fall ist. Glaubt mir, ihr seid froh über jedes Kilo weniger, das ihr den steilen Berg hochtragen müsst. Auch die Verpflegung war perfekt, es gab insgesamt 3 Mahlzeiten und zudem noch heiße Schokolade und Wein. Ihr könnt bei der Buchung vegetarisches oder veganes Essen anfragen, auch das hat einwandfrei funktioniert.

Was nehme ich alles mit?

Für die Wanderung müsst ihr einige Dinge mitnehmen. Wie gesagt, bei Tropicana Hostel mussten wir keine Campingausrüstung tragen, was schon mal ein großer Vorteil ist. Ansonsten benötigt ihr:

4l Wasser pro Person
1l Wasser pro Person wurde von den Guides oben eingesammelt und zum Kochen verwendet. Uns hat das Wasser sehr gut ausgereicht, wir hatten am Ende sogar noch einen Liter übrig (gemeinsam).

Snacks
Auch wenn ihr mit Mahlzeiten versorgt werdet, schadet es nicht, ein paar Snacks für die anstrengende Wanderung einzupacken. Empfehlenswert sind energiereiche Snacks wie Nüsse, Eiweißriegel, Schokolade oder Trockenfrüchte.

Sonnencreme
Oben auf dem Vulkan hat die Sonne nochmal eine ganz andere Kraft, deshalb solltet ihr an Sonnencreme denken.

Toilettenpapier oder Tempos
Im Basecamp gibt es kein Toilettenpapier, nehmt euch also ein bisschen was mit.

Warme Kleidung
Sehr wichtig, da es oben richtig kalt wird. Im nächsten Abschnitt habe ich euch genauer aufgeführt, was wir alles dabeihatten.

Zahnpasta & Zahncreme
Wenn ihr wollt, um sich oben etwas frischer zu fühlen.

Kamera und evtl. Stativ
Um die magischen Momente festzuhalten. Für die Nachtaufnahmen empfiehlt sich ein Stativ, wenn ihr eins habt.

Stirnlampe oder Taschenlampe (Handy)
Für die Wanderung früh morgens auf den Gipfel. Auch die könnt ihr euch ausleihen. Wir hatten keine Stirnlampe, sondern haben das mit der Handy-Taschenlampe gemacht – hat wunderbar geklappt.

Schnaps
Wir haben uns auch noch etwas Schnaps eingepackt, um uns oben von innen zu wärmen und da schließlich Silvester war.

Die richtige Kleidung

Wie schon erwähnt wird es oben auf dem Gipfel sehr kalt, ungefähr 0°C. Zu Beginn der Wanderung ist es jedoch noch recht warm, deshalb packt euch ausreichend warme Kleidung ein, die ihr dann während der Wanderung und oben anziehen könnt. Ihr könnt euch alle möglichen Kleidungsstücke und auch Wanderschuhe im Hostel gegen eine kleine Gebühr ausleihen, die sind super ausgestattet. Auch die Rucksäcke haben wir dort ausgeliehen, weil unsere Tagesrucksäcke zu klein waren. Ungefähr 40l Platz ist empfehlenswert. Wir hatten insgesamt folgendes dabei:

  • 2 Paar Socken
  • Unterwäsche
  • 2 Hosen (eine Sporthose und eine etwas wärmere Hose)
  • 2 T-Shirts (eins zum Wechseln nach dem schweißtreibenden Aufstieg)
  • Fleecejacke bzw. Pullover
  • etwas dünnere Jacke
  • dicke Winterjacke (ausgeliehen)
  • Regenjacke (da bei uns schlechtes Wetter angesagt war und es auch tatsächlich geregnet hat. Die Regenjacke war dann Gold wert!)
  • Handschuhe (ausgeliehen)
  • Mütze
  • Schuhe mit gutem Profil (wir haben unsere Trailrunner genommen, die haben gut funktioniert. Von glatten Sohlen ohne Profil würden wir eher abraten, vor allem beim Abstieg kann es sehr rutschig werden)

Der Ablauf der Wanderung

08:00 Uhr


Treffpunkt im Hostel zum Frühstück und Vorbereiten der Rucksäcke. Hier lernen wir zum ersten Mal unsere Gruppe kennen, insgesamt sind wir 18 Personen. Für uns Veganer gibt es Kaffee/Tee, Toast, Kartoffelpuffer und Obst zum Frühstück, die anderen bekommen Pancakes. Ausreichend gestärkt geht es dann los mit dem Packen unserer Rucksäcke und Ausleihen der fehlenden Kleidung.

09:15 Uhr


Mit zwei Bussen werden wir zum Startpunkt der Wanderung gefahren. Die Fahrt dauert ungefähr eine Stunde, etwas länger, da wir zwischendurch nochmal an einem Shop anhalten. Dort können wir uns noch Wasser und Snacks kaufen, falls jemand nicht genügend dabeihat. Schließlich kommen wir auf etwa 2.400 Metern bei einem Haus an, wo die Wanderung losgeht. Hier gibt es Toiletten gegen Gebühr und auch hier kann man nochmals Wasser und Snacks kaufen. Es gibt außerdem die Möglichkeit, Wanderstöcke auszuleihen. Ich überlege hin und her, beschließen dann jedoch, keinen zu nehmen. Ich habe von anderen Reisenden gehört, dass man diese nicht dringend braucht, und sie eher störend sind. Mal sehen, ob ich das noch bereuen werde.

11:00 Uhr


Das Ganze hat sich etwas gezogen, bis alle bereit sind und wir unsere kleine Einführung durch die Guides bekommen haben, aber jetzt geht es endlich los! Vollgepackt und vollmotiviert starten wir bei Sonnenschein unsere Wanderung. Die Wettervorhersage sagt Regen, noch sieht es jedoch gut aus und wir sind optimistisch. Wir starten durch Wiesen, vorbei an Mais- und Brokkolifeldern und kommen dann an einem Welcome-Schild vorbei – wohl der Eingang zum Park.

12:00 Uhr


Puh, das war ganz schön steil. Der Boden war bisher eher sandig, was das Hochlaufen noch erschwert. Und der Rucksack ist echt schwer, schnell Wasser trinken damit er leichter wird. Doch die Guides machen viele Pausen und achten darauf, dass alle mitkommen. Schnaufend kommen wir schließlich nach einer guten Stunde am Registration Point an, legen unsere Rucksäcke ab und machen die erste größere Pause. Wir schauen uns die Tafel mit dem Wanderweg zur Spitze an, auf der kleine Hütten eingezeichnet sind und fragen uns, bei welcher Hütte wir wohl schon sind. Dann die Ernüchterung: wir sind hier noch ganz unten und quasi am Start des Wanderwegs. Also haben wir wohl noch ein ganzes Stück vor uns. Weiter geht’s!

13:15 Uhr


Yeah, Mittagspause! Wir freuen uns, denn der Aufstieg ist anstrengend. Es geht fast ununterbrochen steil nach oben und die Rucksäcke machen sich auf den Schultern bemerkbar. Bisher sind wir hauptsächlich durch einen grünen Wald gelaufen. Zum Essen gibt es für alle einen Burrito gefüllt mit Reis, Bohnen und Gemüse. Dazu Obst, Kekse und Apfelsaft. Sehr lecker und es tut gut, die Energiereserven aufzufüllen. Wenn man sich nicht bewegt wird es kalt und wir packen unsere dicken Jacken aus.

13:45 Uhr


Nach ungefähr 30 Minuten Pause geht es weiter. Da unsere Gruppe recht groß ist, und nicht alle das gleiche Tempo haben, beschließen wir, uns in 2 Gruppen aufzuteilen, jeweils mit einem Guide. Wir laufen mit der schnelleren Gruppe. Die vielen Pausen sind uns fast zu viel, kaum in den Rhythmus gekommen, ordert der Guide schon die nächste Pause an und wir kühlen sofort wieder ab. Während der Pausen stoßen die restlichen Teilnehmer dann immer zu uns. An einem Aussichtspunkt angekommen sollten wir eigentlich tolle Sicht auf die umliegende Landschaft haben. Wir blicken in eine weiße Nebelsuppe. Na toll, hoffentlich zieht das noch vorbei und die Sonne lässt sich wieder blicken. Übrigens bin ich froh, keinen Stock ausgeliehen zu haben. Ich habe den Stock (es sind einzelne Holzstöcke, keine zwei modernen Wanderstöcke) eines anderen Teilnehmers für eine Weile getestet, und finde ihn eher nervig. Aber das ist wohl Geschmacksache.

15:00 Uhr


Oh man, ist das steil. Einfach nur laufen, nicht denken. Schritt für Schritt den steilen Berg hinauf, den Blick immer auf den Boden oder die Füße des Vordermanns gerichtet. Zwischendurch ein paar Nüsse einschmeißen, um Energie zu tanken. Wir laufen jetzt durch eine dichte Nebelsuppe und es hat auch noch angefangen zu regnen. Das trübt unsere Stimmung ein bisschen. Wir ziehen unsere Regenjacken an und sind echt froh, diese dabeizuhaben. So langsam merkt man auch die dünner werdende Luft, die Pumpe geht stärker. Die Landschaft hat sich inzwischen sehr verändert, der grüne Wald ist einer kargeren Landschaft gewichen, die einzelnen Bäume sind von Termiten zerfressen. Dennoch gibt es einige schöne Blumen und Disteln, faszinierend was hier oben alles noch wächst.

15:30 Uhr


Der Lichtblick: ab jetzt ist der Weg nicht mehr so steil, sondern verläuft eher eben, am Rand des Kraters entlang. Das tut echt gut. Wir sind erstaunt, dass wir den steilen Teil jetzt tatsächlich hinter uns gelassen haben. Das ging schneller als erwartet und war eigentlich echt gut machbar. Wir laufen jetzt durch Vulkansand bzw. -steine und es läuft sich viel einfacher. Wir freuen uns auf den Endspurt, einzig der stärker gewordene Regen ist ziemlich nervig. Und man sieht noch immer nichts außer graue Wolken.

16:00 Uhr


Nach 5 Stunden sind wir auf etwa 3.600 Metern im Basecamp angekommen. Wir haben es geschafft! Wir haben 1.200 Höhenmeter bewältigt und sind mächtig stolz auf uns. Oben angekommen sehen wir leider keinen Fuego, was echt enttäuschend ist. Der Regen hat auch nicht aufgehört, sodass wir uns alle unter die Dächer stellen, die es zum Glück im Camp gibt. Wir ziehen unser nassgeschwitztes T-Shirt und die nassen Regenjacken aus, unser frisches T-Shirt und alle Kleidung, die wir dabeihaben, an. Es ist richtig kalt hier oben, nicht viel Grad über Null. Die Guides versuchen, ein Feuer zu machen und bauen die Zelte auf. Die arbeiten echt hart in dem Regenwetter.

17:30 Uhr


Regen, Regen, Regen. Wir haben uns auf die Zelte aufgeteilt, Tim und ich haben ein 2-Mann-Zelt. Das Feuer prasselt, es macht jedoch keinen Spaß, im Regen darumzustehen, deshalb verkriechen sich alle in ihre Zelte. Da wir ohne Bewegung sehr frieren, klettern wir in unsere Schlafsäcke. Die sind zum Glück richtig warm und gut. Die Guides sind so lieb und kochen in dem Mistwetter unser Essen. Es gibt zuerst eine Nudelsuppe zum Aufwärmen, das tut so gut. Später gibt es dann Gemüsereis zum Abendessen und da Silvester ist, gibt es für die anderen Truthahn, wir lehnen jedoch dankend ab. Es gibt sogar Rotwein zum Essen! Wir versuchen unser Festmahl im Zelt zu genießen, sind aber tatsächlich etwas schlecht drauf. So haben wir uns das nicht vorgestellt, den ganzen Abend zu Zweit im Zelt zu sitzen und nichts sehen zu können. Kurz nach dem Essen kommen die Guides schon wieder und bringen uns eine heiße Schokolade, genau das richtige bei der Kälte. Wir sind froh über unseren Schnaps, den wir eingepackt haben, der wärmt uns auch noch zusätzlich und sorgt hoffentlich für ein bisschen bessere Stimmung.

20:30 Uhr


Es hat nun zumindest aufgehört zu regnen, deshalb klettern wir aus dem Zelt und stellen uns ein bisschen ans Feuer, um uns aufzuwärmen. Das tut gut, ein paar andere gesellen sich zu uns und wir machen Witze über die nicht vorhandene Sicht. Ein paar haben hier oben Empfang und checken die ganze Zeit die Wettervorhersage. Um 22:30 Uhr soll es wohl klar werden. Na, wir sind gespannt. Da es im Wind nach einer Weile doch nicht mehr so angenehm ist, gehen wir wieder in die Zelte und verabreden uns für Mitternacht. Silvester muss schließlich gefeiert werden!

23:45 Uhr


Wir haben versucht, etwas zu schlafen, aber eher Fehlanzeige. Wir haben beide Kopfweh, ob es der Schnaps, die Höhe, oder eine Kombination aus beiden ist, wissen wir nicht. Bei Tim ist es sehr stark, er nimmt eine Schmerztablette. Ich zerbreche mir langsam den Kopf, was wir wohl machen, wenn die Sicht nicht besser wird. Unser Fazit: wir laufen nochmal hoch! Man hört immer wieder das laute Knallen von Fuego, wenn er Lava spuckt. Wir denken uns, das würden wir lieber nicht hören, so ist es nur noch schlimmer, dass wir nichts sehen können. Nochmals steigen wir aus dem Zelt in den kalten Wind, es regnet wieder etwas. Und immer noch sieht man nichts. Ab und an verziehen sich ein paar Wolken und geben den Blick auf die leuchtenden Lichter der kleinen Orte im Tal frei, mehr gibt’s jedoch nicht zu sehen.

00:00 Uhr


Frohes neues Jahr 2021! Die Guides haben sogar zwei große Flaschen Champagner hier hochgetragen! Der Champagner ist mega lecker und wir stoßen am Feuer an, ungefähr die Hälfte der Gruppe hat sich in die Kälte rausgeschleppt. Wir machen weiterhin Scherze und die Stimmung ist ganz gut, man merkt jedoch, dass alle von dem Wetter genervt sind. Wir fragen die Guides, wie es mit dem Aufstieg auf dem Gipfel in der Frühe aussieht. Sie sagen, es hängt vom Wetter ab, aktuell können sie noch keine Vorhersage treffen. Wir hoffen einfach weiter, dass es besser wird. Kurz nach Mitternacht gehen wir zurück ins Zelt und versuchen nochmal, etwas Schlaf zu finden.

03:45 Uhr


An Schlaf war wieder nicht wirklich zu denken, eher ein immer wieder dösen und vom Knallen des Vulkans wieder geweckt werden. Um kurz vor 04:00 Uhr morgens hören wir draußen die Rufe: „You can see the vulcano! Come out!“. Wir sind sofort hellwach und springen aus dem Zelt. Und tatsächlich: Da wo vorher eine graue Suppe war, sehen wir jetzt ganz deutlich den großen Vulkan Fuego, der sich vom Nachthimmel abzeichnet. Wir sind überwältigt, es sieht unfassbar aus. Im Tal sehen wir nun die ganzen Lichter der Dörfer. Und so warten wir auf den nächsten Ausbruch des Fuegos, den wir nun so gut sehen können. Und kurze Zeit später kommt er auch schon, und dieser Moment ist einfach nur unbeschreiblich! Die rot-orange glühende Lava schießt in einer großen Wolke in den dunkelblauen Nachthimmel und fließt anschließend in langen Bahnen den Abhang hinunter.

Wow, denken wir einfach nur. Selten haben wir zuvor so etwas faszinierendes gesehen. Die Kraft der Natur wird einem hier sehr deutlich vor Augen geführt. Wir stehen alle still da, genießen das Spektakel und versuchen es mit unseren Kameras einzufangen. Und wir sind überglücklich. Nun hat sich das Ganze also doch gelohnt. Und wir haben unser eigenes, ganz besonderes Silvesterfeuerwerk. So kann 2021 ja nur genial werden!

04:45 Uhr


Da es oben auf dem Gipfel auch langsam aufklärt, entscheiden sich die Guides, dass wir zum Sonnenaufgang hochwandern. Yes! Ungefähr die Hälfte der Gruppe kommt mit, wir packen etwas Wasser und unsere Kameras ein und los geht’s. Da wir keine Stirnlampen haben, leuchte ich mit der Handykamera den Weg. Das funktioniert gut. Es geht natürlich wieder steil nach oben. Das ist sehr anstrengend, da es dunkel ist und wir müde sind. Aber einfach durchkämpfen, wir machen das ja aus einem guten Grund. Wenn wir stehen bleiben, ist es unglaublich kalt, da es hier oben noch mehr windet. Allerdings sehen wir alle 10-15 Minuten den Ausbruch von Fuego durch die Bäume, das entschädigt alles.

05:45 Uhr


Nach knapp einer Stunde sind wir oben auf dem Gipfel angekommen, auf fast 4.000 Metern Höhe. Und wieder einmal heißt es einfach nur: Wow! Wir sehen den Vulkan Fuego und links daneben den Vulkan Agua, der aus den Woken ragt. Rechts in der Ferne stehen wir sogar den Vulkan Atitlan und einige mehr. Hinter dem Agua leuchtet der Himmel pink und orange, wo bald die Sonne aufgehen wird. Wir genießen die geniale Sicht und schießen unglaublich viele Bilder und Videos. Dennoch werden wir diese magische Stimmung wohl nie einfangen können, und sind einfach froh, so etwas gemeinsam erleben zu können. Nach und nach wird es immer heller, bis schließlich die Sonne am Horizont auftaucht und alles in ihr goldenes Licht taucht. Leider wird es dadurch nicht wärmer, es windet stark und unsere Zehen und Finger fühlen sich wie Eiszapfen an, trotz Handschuhen und doppelt Socken.

07:15 Uhr


Wir sind wieder zurück im Camp. Der Weg nach unten war einfach und ging schnell. Außerdem freuen wir uns auf ein heißes Getränk und etwas zu essen. Unten haben die Zurückgebliebenen bereits gefrühstückt und sitzen ums Feuer. Wir bekommen Kaffee, ich habe mir einen Teebeutel mitgenommen und bekomme heißes Wasser dafür. Außerdem gibt es veganes Bananenbrot, so lecker! Wir genießen nochmal die freie Sicht auf den Fuego im Morgenlicht. Nach einer kleinen Stärkung heißt es auch schon, Sachen packen und bereit für den Abstieg machen.

08:45 Uhr


Alles ist wieder im Rucksack verstaut, der ist nun angenehm leicht, da wir nicht mehr viel Wasser haben und immer noch alle Kleidung anhaben. Wir freuen uns auf den Abstieg, das kann ja nicht so schwer sein. Zu Beginn geht es wieder eben am Rand des Kraters entlang, diesmal haben wir dazu jedoch eine unglaubliche Sicht. Das macht so viel mehr Spaß.

10:00 Uhr


Ok, das Runterlaufen ist auch ganz schön anstrengend, wenn auch auf eine andere Weise. Da es so steil ist, rennen wir oftmals eher als zu laufen. Das geht besser und ist gefühlt auch nicht so belastend für die Knie. Man muss sich ganz schön konzentrieren, um nicht hinzufallen. Nach und nach legen wir unsere vielen Schichten an Kleidung ab, da es immer wärmer wird. Der grüne Wald sieht nun noch schöner aus als beim Hochlaufen, da die Sonne durch die Bäume scheint.

10:45 Uhr


Das Stück vom Registration Point nach unten ist nochmal schwierig, da der Teil wie immer sehr steil und zudem noch sandig ist. Hier rutscht man total beim Rennen, und ich lege mich einmal hin. Ist zum Glück nicht schlimm. Die Guides rennen uns davon, mit ihren 15-30 kg auf dem Rücken. Tim scheint daran Spaß gefunden zu haben, da er als einziger mit ihnen mitrennt. Die Guides sind echt krass, denken wir uns immer wieder. Und dann sind wir unten – geschafft! Wir lassen die Rucksäcke fallen und setzen uns hin. Wir sind erschöpft, stolz, müde und glücklich, essen unsere restlichen Snacks und kaufen uns eine kalte Cola. Die Guides bedanken sich bei allen und umgekehrt, und wir geben ihnen ein verdientes Trinkgeld. Nach kurzer Zeit kommen schon die Busse, die uns zurück zum Hostel bringen. Während der Fahrt schweigen wir und schlafen fast ein.

13:00 Uhr


Zurück in unserem Hotel wird zu allererst geduscht, selten hat sich eine Dusche so gut angefühlt. Danach brauchen wir einen Mittagsschlaf, wir haben nicht einmal Hunger, so müde sind wir. Unsere Beine sind lahm, die Füße und Knie tun etwas weh, aber wir sind noch so berauscht von den ganzen Erlebnissen. Können auch gar nicht richtig glauben und verarbeiten, was wir erlebt haben. Etwas gestärkt schauen wir die ersten Fotos an und abends treffen wir uns sogar nochmal mit ein paar anderen der Gruppe auf ein Bier.

Fazit

Wir waren uns schnell einig, dass dieses Erlebnis eines der schönsten und coolsten in unserem Leben war. Auch wenn die Wanderung körperlich anstrengend ist, ist sie dennoch gut machbar. Es schadet natürlich nicht, vorher etwas für seine Kondition und Kraft zu tun, dann ist es einfacher. Wer vor der Wanderung ein paar Tage in Antigua verbringt, kann die Treppen zum Aussichtspunkt Cerro de la Cruz als Training ein paar Mal hoch und runter joggen. Aber auch als „Anfänger“ kann man die Wanderung machen, man muss es nur wollen.  Die mega Aussicht oben und das Naturspektakel sind es wert, es ist einfach ein unfassbar faszinierendes Abenteuer, das wir niemals vergessen werden. Ich kann euch nur ans Herz legen, diese tolle Wanderung zu machen, wenn ihr in Guatemala seid. Jetzt wo ich hier sitze, und diesen Bericht schreibe, würde ich am lieben gleich nochmal hoch.

Für dich vielleicht ebenfalls interessant...

3 Kommentare

  1. Hallo Nicole, hallo Tim,
    toller Reisebericht und einmalige Fotos.B
    Ich bin begeistert.
    Viele Grüße aus Ingolstadt und weiterhin eine gute und erlebnisreiche Reise.
    Bleibt Gesund!
    Thilo

  2. […] Um Antigua herum befinden sich drei Vulkane: Agua, Acatenango und Fuego. Diese könnt ihr von der Stadt aus super bestaunen, ein Highlight ist hier der Vulkan Fuego, der aktiv ist und alle 10 -15 Minuten Lava spuckt. Das kann man auch von Antigua aus beobachten, einfach faszinieren! Um das Spektakel aus der Nähe zu betrachten, solltet ihr unbedingt die 2-tägige Wanderung auf den Acatenango machen, alle Infos dazu findet ihr in diesem Beitrag. […]

  3. […] dem wunderschönen Blog Colifree bekommst du Einblicke in die Wanderung an einem ganz besonderen […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.