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Kolumbien

Lost City Trek in Kolumbien: eine 4-tägige Wanderung zur Ciudad Perdida

Der Lost City Trek war eins unserer Highlights während unserer Kolumbien-Rundreise. Wir waren hier 4 Tage im Regenwald der Sierra Nevada de Santa Marta unterwegs, um die berühmte Ciudad Perdida – die Verlorene Stadt zu finden. Sie liegt tief im kolumbianischen Dschungel versteckt und ist über keine Straße zu erreichen, sondern nur über die mehrtägige Wanderung. In diesem Beitrag nehme ich euch mit auf diese Reise und gebe euch wichtige Tipps und Informationen und natürlich viele Eindrücke zur Wanderung.

Die Lost City

Die Lost City – Ciudad Perdida besteht aus einer Reihe von 169 in den Berghang gehauenen Terrassen, einem Netz von gefliesten Straßen und mehreren kleinen runden Plätzen. Der Eingang kann nur durch einen Aufstieg über etwa 1.200 Steinstufen durch dichten Dschungel erreicht werden. Laut Annahmen wurde sie um 800 n. Chr. gegründet, sogar 650 Jahre früher als Machu Picchu. Sie war wohl einst das Herzstück mehrerer kleiner Dörfer, die vom Volk der Tayrona bewohnt wurden. Die geschätzte Bevölkerungsgröße betrug zu Hochzeiten 2.000 – 8.000 Angehörige der Tayronas. Sie verließen die Stadt jedoch kurz nach der Ankunft der Spanier und flohen weiter in die Berge. Die Spanier selbst haben trotz des Handels mit den Tayrona die Stadt nie betreten. Erst 1972 wurde die Verlorene Stadt durch Grabräuber wiederentdeckt und geplündert. Archäologen erreichten die Stätte schließlich 1976 und vollendeten die Rekonstruktion 6 Jahre später. Die Lost City wurde für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, und so können Touristen diese heute besuchen.

Infos & Vorbereitung

Um zur Lost City zu gelangen, musst du eine mehrtägige Wanderung unternehmen, da sie nicht mit dem Auto erreicht werden kann. Doch genau das ist das Besondere daran. In Santa Marta gibt es unzählige Anbieter für die Tour, wir konnten bei unserer Recherche keine besonders großen Unterschiede bezüglich der Leistungen feststellen. Auch der Preis ist genormt – die Tour kostet bei allen Anbietern 1.150.000 COP (265 €, 01/2021) inklusive Anfahrt, Guide, Verpflegung, Eintritt, Übernachtung. Wir haben uns für Teyuna Tours entschieden und waren rundum zufrieden. Achtet darauf, dass ihr einen englischsprachigen Guide oder einen Übersetzer bekommt, falls ihr kein oder nur wenig Spanisch sprecht. Standardmäßig dauert die Tour 4 Tage, ihr könnt sie auch auf 5 Tage verlängern, dann ist es etwas entspannter. Wir haben die 4-tägige Tour gemacht.

Was nehme ich mit?

Da ihr euer Gepäck die ganze Zeit dabeihabt, solltet ihr so wenig wie möglich mitnehmen. Wir hatten folgendes dabei:

  • 2 T-Shirts
  • 2 Shorts
  • Badebekleidung
  • Lange Hose
  • Pullover
  • 1 l Wasser (kann in den Camps aufgefüllt werden)
  • Mückenschutz (sehr wichtig!)
  • Sonnencreme
  • Hygieneartikel
  • Handtuch
  • Flip Flops
  • Feste Schuhe
  • Tüte für nasse Kleidung

Verpflegung & Unterkunft

Während der Wanderung werdet ihr von Köchen versorgt und müsst euch um nichts selbst kümmern. Die Köche gehen auf Essenswünsche oder Allergien ein, d.h. wir haben problemlos vegane Mahlzeiten bekommen. Dreimal täglich gibt es eine große Mahlzeit und zwischendurch noch Snacks wie Obst oder Süßigkeiten während den Wanderpausen. Die Mahlzeiten waren wirklich reichhaltig und lecker, wir konnten jedes Mal auch noch Nachschub bekommen. Zum Essen gibt es immer einen Saft bzw. morgens und auch nachmittags Kaffe, Tee oder heiße Schokolade. Gefiltertes Wasser kann man sich an jedem Camp kostenlos auffüllen und zudem auch Bier oder Softdrinks kaufen.

Die Unterkünfte sind einfach gehalten, aber total ausreichend. Zum Schlafen gibt es Stockbetten mit Moskitonetzen und an jedem Camp hatten wir (kalte) Duschen, Toiletten und Strom. Man darf hier natürlich keine Luxusunterkünfte erwarten, dennoch gibt es alles was man braucht. Inklusive traumhaftem Sternenhimmel und zum Einschlafen die beruhigenden Geräusche der Tiere und des Flusses obendrauf.

Die Wanderung

Insgesamt geht die Wanderung wie schon erwähnt 4 Tage lang. Ausgangs- und Zielort sind Santa Marta. Wir haben während der 4 Tage ungefähr 45 km zurückgelegt, und haben dazwischen in verschiedenen Camps übernachtet. Hier seht ihr die komplette Strecke bis zur Lost City mit den Camps auf dem Weg:

Tag 1


Der erste Tag startet im Büro unseres Touranbieters in Santa Marta, von dem aus wir zum Startpunkt der Wanderung gefahren werden, das Dorf Mamey. Von dort geht es dann nach dem Mittagessen zu Fuß los, um die nächsten Tage zur Lost City zu gelangen. Der erste Tag ist dabei der kürzeste, da man lediglich 3-4 Stunden zum ersten Camp läuft. Es gilt jedoch direkt ungefähr 500 Höhenmeter zu bewältigen, also durchaus anstrengend. Oben angekommen bietet sich jedoch unfassbar schöne Sicht auf die Berge der Sierra Nevada, und wir sind glücklich, ein paar Tage in der Natur verbringen zu können. Bereits am ersten Tag sehen wir einige Tiere, vor allem viele Krabbeltiere wie die fleißigen Blattschneiderameisen und Spinnen. Auch exotische Früchte entdecken wir am Wegesrand, z.B. Orangen, Sternfrüchte und Stachelannonen. Die werden natürlich gepflückt und probiert. Als wir schließlich im ersten Camp ankommen, können wir im kalten Fluss baden und lassen den Abend entspannt ausklingen.

Tag 2


Früh morgens um 5:00 Uhr klingelt der Wecker und nach dem Frühstück geht es eine Stunde später direkt los. Tag 2 ist für uns der anstrengendste, da die Strecke größtenteils bergauf verläuft und wir etwa 15 km laufen. Doch auch hier gibt es genügend Pausen, und wir lernen von einem indigenen Bewohner einige Bräuche kennen, z.B. wie die Indigenen die getrockneten Kokablätter gemischt mit Muschelpulver kauen. Auch an einem kleinen Dorf der Indigenen kommen wir vorbei und sehen die kleinen Kinder mit ihren weißen Kleidern zwischen den Häusern hervorschauen.

Zwischendurch gibt es eine Mittagspause bei Camp Nr. 2, glücklicherweise können wir uns auch dort wieder im Fluss abkühlen. Danach geht es gestärkt weiter bis zum 3. Camp, das sich ganz in der Nähe der Lost City befindet. Voller Vorfreude, der geheimnisvollen Stadt schon so nahegekommen zu sein, gehen wir früh ins Bett, um den nächsten Tag ausgeruht starten zu können.

Tag 3


Endlich – wir werden die Lost City sehen! Mit diesen Gedanken wachen wir wieder früh morgens um 05:00 Uhr auf und brechen nach dem Frühstück motiviert zur Wanderung des 3. Tages auf. Nach einer Flussüberquerung heißt es dann 1200 Treppenstufen zu besteigen, um zur Lost City zu gelangen. Das nenne ich mal ein gutes Morgenworkout. Oben angekommen erhalten wir stolz unseren Lost City Pass – wir haben es geschafft! Glücklich und müde lassen wir die magische Stimmung der Lost City auf uns wirken. Da wir uns beeilt hatten, sind wir die ersten, die oben sind. Unser Guide erklärt uns einiges zu den verschiedenen Orten im Areal, das ganz schön groß ist.

Die Hauptattraktion, den Hauptplatz, besuchen wir als letztes, und können so die aufgehende Sonne hinter den Bergen beobachten, welche die Lost City in magisches Licht taucht. Der Hauptplatz ist wirklich beeindruckend, die vielen Terrassen, die sich treppenförmig nach oben aufbauen, bieten ein tolles Bild. Wir genießen eine Weile die Stille des Morgens und warten auf die wärmenden Sonnenstrahlen, da es dort oben doch ganz schön kalt ist. Nach einer Stärkung mit Chips und Obst geht es wieder zurück zum Camp. Der Abstieg über die Treppen ist eine echte Herausforderung, da die Stufen sehr steil und teilweise rutschig sind, was 100%ige Konzentration abverlangt. Zurück im Camp gibt es eine Verschnaufpause mit Mittagessen, danach ist der Heimweg angesagt. Wir laufen zurück zum Camp 2, um dort die Nacht zu verbringen.

Tag 4


Erschöpft, müde und von Mücken zerstochen freuen wir uns, am letzten Tag der Wanderung angelangt zu sein. Wir müssen nochmal ordentlich Gas geben und laufen die letzten 16 km zurück zum Dorf Mamey. Wir merken richtig, dass wir nun am Ende unserer Kräfte sind, und sind überglücklich, als wir das Dorf erreichen. Und sowas von stolz auf uns! Nach dem Essen werden wir wieder zurück nach Santa Marta gefahren und freuen uns über die Dusche im Hostel, unsere Kleidung zu waschen, und wieder in einem Doppelbett zu schlafen. 🙂

Fazit

Der Lost City Trek ist ein einmaliges Erlebnis, das uns richtig gut gefallen hat. Körperlich ist er zwar sehr anstrengend, da man 4 Tage am Stück lange Strecken zurücklegt, oftmals bergauf wandert, und es zudem sehr heiß ist. Doch das alles lohnt sich: die Lost City zu sehen, ein paar Tage in der Natur zu schlafen, indigene Einwohner zu sehen, offline zu sein, Tiere zu entdecken – das alles macht die Anstrengung wieder wett. Die Lost City ist ein magischer Ort, den man nur über diese Wanderung sehen kann, somit ist er auch nicht von Touristen überlaufen, wie manch andere Sehenswürdigkeiten. Somit genau unser Ding. Wenn du gerne in der Natur bist und dich auspowerst, dann solltest du diese Wanderung auf jeden Fall machen. Der Preis ist zwar nicht ohne und hat unser normales Tagesbudget deutlich überschritten, doch es lohnt sich einfach und wird uns definitiv als eines unserer Highlights in Kolumbien im Gedächtnis bleiben.

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